Sicca Syndrom

Das Sicca Syndrom oder auch Keratokonjunktivitis sicca wird auch als das Syndrom des trockenen Auges bezeichnet und beschreibt das Krankheitsbild einer unzureichenden Benetzung der Horn- oder Bindehaut des Auges mit Tränenflüssigkeit. Das Krankheitsbild wurde erstmals in den 1950ern vom schwedischen Augenarzt Henrik Sjögren beschrieben. Die Ursache des Syndroms kann einerseits eine mangelnde Tränensekretion (auch hypovoläme Form genannt) andererseits eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit (auch hyperevaporative Form genannt) sein. Die Symptome des Sicca Syndroms sind gerötete und/oder brennende Augen, auch ein Fremdkörpergefühl in den Augen ist typisch, verursacht durch entzündliche Prozesse in der Horn- oder Bindehaut. Diese störenden Augenbeschwerden können durch einfache Maßnahmen erheblich gelindert werden.




Tränenflüssigkeit und ihre Funktion

Die Tränenflüssigkeit wird von verschiedenen Drüsen am Lid sowie an der Horn- und Bindehaut produziert und durch den Lidschlag gleichmäßig auf dem Auge verteilt. Sie besteht aus drei unterschiedlichen Schichten (siehe Grafik). Ganz Außen zur Umwelt gerichtet befindet sich eine fetthaltige Lipidschicht. Diese ist nur 100 nanometer dünn, verhindert vor allem eine zu schnelle Verdunstung der anderen beiden Schichten und dient weiterhin der gleichmäßigen Verteilung der Tränenflüssigkeit über das gesamte Auge. Sie wird ausschließlich von den Liddrüsen (Meibom-Drüsen) sekretiert. Man kann die Lipidschicht nochmals unterteilen: Die dickere, äußere Schicht besteht vor allem aus sehr unpolaren Lipiden wie Triglyceride und Wachsester. Diese senken die Verdunstungsrate des Tränenfilms um 95 % und gewähren somit den eigentlichen Verdunstungsschutz. Eine dünnere, innere Schicht besteht vor allem aus polaren Lipiden wie beispielsweise Phospholipide und verbindet und stabilisiert die hydrophobe Lipidschicht mit der darunter liegenden wässrigen Schicht.

Diese wässrige Schicht bildet die mittlere Schicht der Tränenflüssigkeit. Diese enthält viele Antikörper und Enzyme, die der Immunabwehr dienen und somit eine Infektion des Auges mit Krankheitserregern verhindern. Weiterhin sind wichtige Salze, Spurenelemente und Vitamine enthalten. Diese wässrige Schicht wird von verschiedenen Drüsen gebildet und stellt den Hauptanteil der gesamten Tränenflüssigkeit dar.

Abgeschlossen wird wird der Tränenfilm durch eine innere Schleimschicht (auch Muzinschicht genannt). Diese sorgt mit einer speziellen Struktur dafür, dass die Tränenflüssigkeit auf der Binde- und Hornhaut haften kann.

Auge

Ein Auge im Querschnitt mit den unterschiedlichen Schichten des Tränenfilms: Außen und schützend zur Umwelt liegt die Lipidschicht (unpolare und polare), mittig liegt die wässrige Schicht und zur Hornhaut abschließend innen die Schleimschicht.

Insgesamt hat jede Schicht der Tränenflüssigkeit wichtige, spezifische Aufgaben. Nur, wenn alle drei Schichten intakt sind und im richtigen Verhältnis sekretiert werden, kann der Tränenfilm auf dem Auge seine vielfältigen Funktionen erfüllen.

Wichtige Funktionen des Tränenfilms sind:
  • Befeuchtung der Augenoberfläche
  • Schutz vor Fremdkörpern und Infektionen
  • Reinigung der Augenoberfläche
  • Ernährung der Hornhaut

Die Tränenflüssigkeit sorgt also ganz essentiell dafür, dass man beschwerdefrei sehen kann. Eine unzureichende Produktion (hypovoläme Form) oder eine gestörte Zusammensetzung (hyperevaporative Form) dieser führt zu Symptomen, die ganz typisch für das Sicca Syndrom sind.

Symptome des Sicca Syndroms

Das häufigste Symptom des Sicca Syndroms sind trockene, brennende Augen. Eine Rötung der Augen sowie ein permanenter Juckreiz können (müssen aber nicht) zusätzlich auftreten. Bei einigen Patienten kommt es weiterhin zu einem Fremkörper- oder Druckgefühl im Auge oder einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Tageslicht. Auch können eine erhöhte Schleimabsonderung (verklebte oder geschwollene Augenlider am Morgen) und das Bedürfnis, die Augen ständig auswischen zu müssen, Anzeichen für das Sicca Syndrom sein. Es kann sein, dass die Symptome des trockenen Auges erst bei der Unverträglichkeit von Kontaktlinsen oder Kosmetika oder bei Problemen mit langen Bildschirmarbeiten auffallen.




Die Rötung der Augen rührt daher, dass der Tränenfilm im Normalfall die Hornhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, weil diese keine eigenen Blutgefäße besitzt. Ist diese Versorgung beispielsweise durch einen nicht intakten Tränenfilm gestört, wird die Versorgung durch eine Weitung der Blutgefäße in der tieferliegenden Bindehaut gewährleistet. Als Folge dieser Blutgefäßerweiterung erscheinen die Augen rötlich.

Im Anfangsstadium des Sicca Syndroms sind die Beschwerden unangenehm und störend, aber nicht weiter gefährlich. Wenn jedoch keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kann es über längere Zeiträume zu Entzündungen der Binde- oder Hornhaut führen. Im schlimmsten Fall führt dies zu Vernarbungen, die die Sehfähigkeit dauerhaft einschränken. Deshalb ist es in jedem Fall ratsam, unabhängig davon wie schwer die Symptome ausgeprägt sind, einen Augenarzt auf zu suchen. Dieser kann weiterhin auch andere Krankheiten oder Lidfehlstellungen ausschließen.

Seltener können die Symptome auch den Mund oder andere Schleimhäute, wie etwa die der Vagina oder des Afters, betreffen. Auch hier führt eine Austrocknung dieser meistens zu einer Rötung, einem brennendem Gefühl und/oder einem ständigem Juckreiz.

Ursachen des Sicca Syndroms

Die Ursachen der genannten Symptome des Sicca Syndroms sind immer entweder eine unzureichende Sekretion von Tränenflüssigkeit oder eine fehlerhafte Zusammensetzung des Tränenfilms oder aber ein verminderter Lidschlag. All diese Auslöser können selbst verschiedenste Ursachen haben, die bisher medizinisch noch nicht gut verstanden sind. Sie alle führen zu einer Verminderung der Tränenflüssigkeit, wodurch Bindehaut sowie Hornhaut gereizt werden. Die trockene Augenoberfläche wird rauh, schmerzhaft und führt zu Sehbeschwerden. Weiterhin sind ausgetrocknete Augen anfälliger für Infektionen.

Als gesicherte Ursache für das Sicca Syndrom gelten verstopfte und/oder entzündete Liddrüsen (Meibom-Drüsen), welche sich auch oftmals als sogenannte Gerstenkörner bemerkbar machen.

Erwiesen ist bisher außerdem, dass bei Patienten des Syndroms ein höherer Anteil extrazellulärer DNA in der Tränenflüssigkeit vorzufinden ist. Es wird derzeit noch geprüft, ob ein Ungleichgewicht bei Aufbau und Abbau eben dieser DNA-Moleküle in der Tränenflüssigkeit die Ursache des Sicca Syndroms ist. Auch kann das Syndrom im Rahmen anderer Krankheiten in Erscheinung treten. Bekannt sind hierbei Diabetes mellitus und enige rheumatische Erkrankungen wie zum Beispiel das Sjögren-Syndrom.




Menschen höheren Lebensalters sind besonders betroffen vom Sicca Syndrom. Frauen zeigen dabei häufiger Symptome als Männer. Es konnten bisher eine Reihe von Umweltfaktoren bestimmt werden, die einen negativen Einfluss auf die Symptome des Sicca Syndroms haben.

Umweltfaktoren, die beim Sicca-Syndrom einen negativen Einfluss haben:
  • Bildschirmarbeit (office eye syndrome)
  • Kontaktlinsen
  • Übermäßiges Computerspielen (gamer eye syndrome)
  • Trockene Luft oder ständiger Luftzug (Klimaanlage, Heizung)
  • Tabakrauch
  • hormonelle Veränderungen (Menopause oder Testosteronmangel im Alter)
  • spezielle Medikamente (z.B. Betablocker)
  • Vitamin-A Mangel

Sorgt oftmals für eine Verschlechterung der Symptome: Langes Arbeiten am Computerbildschirm.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit vor einem Computerbildschirm, sei es nun auf der Arbeit oder in der Freizeit. Computerarbeit ist der häufigste Auslöser für das Sicca Syndrom, es wird dabei auch vom sogenannten „office/gamer eye syndrome“ gesprochen. Der Grund hierfür liegt im verminderten Lidschlag, der von durschnittlichen 25x auf 7x pro Minute absinkt.

Weiterhin sind rund die Hälfte aller Kontaktlinsenträger vom Sicca Syndrom betroffen, da die Kontaktlinse die fetthaltige Lipidschicht des Tränenfilms zerstört, was wiederrum zu einer vermehrten Verdunstung der Tränenflüssigkeit führt. Die Folgen sind brennende Augen und ein störendes Fremdkörpergefühl.

Ein weiterer einflussreicher Faktor sind hormonelle Veränderungen und spezielle Medikamente. Hierbei trifft es häufig Frauen während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, da hier weitreichende Umstellungen im Hormonhaushalt stattfinden. Auch stehen einige Medikamente im Verdacht, die innere Schleimschicht oder auch die fetthaltige Lipidschicht des Tränenfilms anzugreifen: Antidepressiva, Antihistaminika, Schlafmittel, Schmerzmittel, Anti-Baby-Pille.

 

Diagnose des Sicca Syndroms

Im Bereich der Augenheilkunde stellt das trockene Auge eine der häufigsten Erkrankungen dar. Mit steigendem Alter der Patienten nimmt die Häufigkeit nochmals zu. Außerdem sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer, was höchstwahrscheinlich hormonelle Gründe hat. Man kann also wirklich von einer Volkskrankheit sprechen. In der Regel kann ein Arzt schon an den sehr typischen Symptomen die Krankheit diagnostizieren. Andererseits sollten aufgrund der Vielfältigkeit der Symptome des Sicca Syndroms beim Anamnesegespräch mit dem Arzt  auch Lebensgewohnheiten und Arbeitsplatzgestaltung besprochen werden. Auch sollten Sie den Augenarzt über Medikamente informieren, die regelmäßig eingenommen werden.

Um einen Anfangsverdacht zu untermauern, können weiterhin verschiedene Tests angewendet werden, die Aufschluss über die Tränenmenge, die Zusammenstellung der Tränenflüssigkeit, die Hornahautoberfläche, Lidstellung und die verschiedenen Tränendrüsen geben können.

Zunächst kann der Arzt das Auge mithilfe einer Spaltlampe begutachten. Mit diesem optischen Gerät kann man die Augenoberfläche vergrößert und mit einer spezifischen Beleuchtung analysiert werden. Diese Begutachtung dauert weniger als eine Minute und ist völlig schmerzfrei. Weiterhin dient der Schirmer-Test zur Beurteilung der sekretierten Tränenfilm-Menge. Hierbei wird für wenige Minuten ein Filterpapierstreifen auf das Auge gelegt anhand dem die aufgenommene Flüssigkeit abgelesen werden kann. Bei trockenen Augen kann der Filterpapierstreifen nur eine unterdurchschnittliche Menge an Flüssigkeit aufnehmen. Auch dieser Test ist völlig schmerzfrei, wenn auch ein wenig unangenehm. Ein weiteres Mittel zur Diagnose des Sicca Syndroms ist die Ermittlung der Stabilität des Tränenfilms. Dafür wird eine fluoreszierende (also Licht-abgebende) Flüssigkeit in das Auge getropft (zur einfachen, farblichen Erkennung) und die Zeit zwischen Lidschlag und dem Aufreissen des Tränenfilms gemessen. Bei gesunden Patienten bleibt folglich der Tränenfilm eine längere Zeit intakt als bei Patienten mit dem Sicca Syndrom. Auch dieser Vorgang ist schnell abgewickelt und für den Patienten völlig schmerzfrei.

 

Sie leiden an den Symptomen des Sicca Syndroms?

Achtung: Eine kompetente Diagnose kann und sollte nur ein Augenarzt stellen!

Unter der Kategorie Therapie haben wir Ihnen hilfreiche Tipps und Anregungen für den Alltag zusammengestellt, um Ihre Beschwerden zu lindern. Weiterhin kann und soll diese Plattform auch als Dialog zwischen Betroffenen untereinander und mit unserem Team dienen: Nutzen Sie hierzu unsere Kommentarfunktion ganz unten auf der Seite. Wir freuen uns auch über Kritik und Anregungen über unseren Internetauftritt. Für einen privaten Dialog können Sie sich per Email an uns wenden: info@sicca-syndrom.net

 

Bild- und Iconnachweise:

Bildquelle des Header-Bilds: © Nazariy Kryvosheyev  / pixelio.de
Bildquelle des Bilds „Frau am Computer“: © Paul-Georg Meister  / pixelio.de
Logo und Flavicon von Icomoon von www.flaticon.com

 

Impressum / Datenschutz

Rating: 5.0. From 5 votes.
Please wait...

One thought on “Sicca Syndrom

  1. Sunny92
    8. Juni 2016 at 16:03

    seit ich kontaktlinsen trage habe ich dauernd probleme mit den augen.könnte das dieses syndrom sein?

    Rating: 5.0. From 1 vote.
    Please wait...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *